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Krystyna Budnicka zu Gast – eine Zeitzeugin des Nationalsozialismus

Eine beeindruckende Begegnung mit Krystyna Budnicka erlebten die Klassen 13/2 und 13/3 des Walter-Eucken-Gymnasiums am 16. November 2018 in unserer Schule.

Die mittlerweile 86-jährige Polin reiste eigens für eine Woche aus Warschau an, um in Freiburger Schulen Vorträge über ihre Erlebnisse im Nationalsozialismus zu halten. Organisiert wurde dieser Zeitzeugenaufenthalt vom Maximilian-Kolbe-Werk (https://www.maximilian-kolbe-werk.de/startseite/). Vor den GGk-Kursen von Lisa Jackels (13/2) und Benedikt Sauerborn (13/3) referierte Frau Budnicka mehr als zwei Stunden lang und beantwortete die Fragen der Schülerinnen und Schüler zu ihrer Lebensgeschichte:

Krystyna Budnicka wuchs in einer jüdischen Familie auf und hatte sieben Brüder und eine Schwester. Ihr Vater war Schreiner und besaß eine Schreinerwerkstatt. Das Haus, in dem ihre Familie wohnte, befand sich in dem von den deutschen Besatzern errichteten Ghetto. Nach einiger Zeit wurde das Ghetto verkleinert und die Familie zog in ein anderes Haus. Dort baute die Handwerkerfamilie ein Versteck und musste sich oft darin verstecken und den Atem anhalten, während die Deutschen ihre Wohnung ausplünderten. Im Juli 1942 wurden zwei ältere Brüder von Krystyna zusammen mit deren Familien in das Vernichtungslager Treblinka abtransportiert. Sie sah sie nie wieder. Seit 1943 versteckte sich die Familie in einem selbst gebauten unterirdischen Bunker eines Gebäudes in der Zamenhofstraße. Dort überlebten sie den Aufstand im Warschauer Ghetto. Ihre Angehörigen starben nach und nach vor Hunger und Erschöpfung oder wurden von den Deutschen ermordet. Nachdem ihr Bruder Rafał im Januar 1944 von der Gestapo ermordet wurde, war die 12-Jährige die einzige, die von ihrer elfköpfigen Familie am Leben geblieben war.

Kurz vor Kriegsende wurde sie von Nonnen gefunden und in ein Waisenhaus

aufgenommen und kam von dort in die Familie Budnicka. Nach dem Krieg machte sie ihr Abitur, studierte Pädagogik an der Katholischen Universität in Lublin und arbeitete als Sonderschullehrerin. Krystyna Budnicka engagiert sich in der „Vereinigung der Kinder des Holocaust“ in Polen, der heute noch 500 Mitglieder angehören. Am Vorabend ihres Besuches am Walter-Eucken-Gymnasium hielt sie, auch hier unterstützt durch Übersetzerin Petra Klutzka, einen Vortrag in der Albert-Ludwigs-Universität vor gut 500 Zuschauern.

R. Lilienthal